Mittwoch, 19. März 2008

SV Babelsberg vs. 1.FC Union 0:3 (0:2)










Denkt der Unioner an die jüngsten Auswärtsspiele beim SV Babelsberg im Karl-Liebknecht-Stadion, so beschleicht ihn sofort ein negatives Gefühl. Jeweils in der Hinrunde 2001 / 2002 (2. Bundesliga) und 2005 / 2006 (Oberliga Nord Ost) unterlag man dem Nachbarn aus Potsdam denkbar knapp mit 2:3. In beiden Spielen ging dem ein spektakulärer Spielverlauf voraus.


Im Jahr 2001 wohnten offiziell über 14.000 Zuschauern dem Spiel im aus allen Nähten platzenden „Karli“ bei. Union führte bereits mit 2:0 und musste noch drei Tore schlucken. Kurz vor Ultimo musste man damals in der 87. Minute durch Kampf den Treffer hinnehmen der gleich bedeutend mit der Niederlage war. Auch im Jahr 2005 lief es für die Berliner denkbar unglücklich, so, dass das Spiel in einem Déjà-vu endete. Wieder führte Union kurz vor Schluss des Spiels. Diesmal zwar denkbar dünn mit 2:1, aber auch diesmal sollte es noch zwei Mal im Kasten scheppern. Die Mannschaft ließ sich damals in den letzten 10 Minuten regelrecht überrennen und die Gastgeber bewiesen eine schlicht überwältigende Moral. In der Nachspielzeit viel der Siegtreffer durch Fricke. Mit ca. 9.200 hieß es damals „ausverkauft“. Aufgrund der Sicherheitsauflagen passten bei diesem Derby keine 14.000 Zuschauer mehr ins Stadion am Babelsberger Park. Nun, in der Rückrunde der Regionalliga Saison 2007 / 2008 traf man sich wieder zum gern gesehenen Schlagabtausch. Dieses Meisterschaftsspiel schien so viel Resonanz zu erzeugen, dass der RBB schon lange angekündigt hatte das Match in voller Länge live zu übertragen. Das Knistern vor dem Spiel war spürbar, denn nicht zuletzt die Stadionfrage sollte von den Eisernen thematisiert werden, ja gewisser Weise auf der Tagesordnung ganz oben stehen. Dies wurde mit dem Einlaufen, nach dem die Partie bereits 5 Minuten angepfiffen war, getan. Bevor dies vollzogen wurde schmücken proAF-Transparente den Gäste-Block im Karl-Liebknecht-Stadion. Die Medienpräsenz sollte selbstredend genutzt werden. Auch ich befand mich natürlich unter den Glücklichen, die eine der 3.300 zur Verfügung gestellten Gästekarten ergattern konnte. Zusammen mit meiner Prinzessin, die ich eingeladen hatte sich doch mal ein Spiel des 1.FC Union zu Gemüte zu führen und da erschien mir das Spiel gegen die Kicker aus der Vorstadt am günstigsten. Als wir zusammen mit den anderen den Gästeblock betreten und uns platziert hatten fiel mir sofort auf, dass sich am Zaun deutliche Löcher in der Menge auftaten. Ich nahm es mit Wohlwollen zur Kenntnis, denn wer im November 2005 dabei war, der wird wissen wie problematisch es damals war (gemäß meiner Schätzung) über 4.000 Menschen auf ein Viertel des Stadions zusammenzupferchen. Das glich damals alles mehr einer Sardinenbüchse als einem Gästeblock. Für dieses Mal wurde vorgesorgt: Es gab 3.000 Stehplatzkarten. Und trotzdem erwischte mich die Zuschauerzahl wie ein Nackenschlag. Nur 6.822 Zuschauer hatten den Weg ins Stadion gefunden. War’s die Live-Übertragung, das miese Klima, die schlechte sportliche Situation Babelsbergs? Wohl von allem etwas und damit ein äußerst uninteressanter Mix. Die Rollen waren vor dem Spiel sonnenklar verteilt, jedoch würde ich die Besucherzahl auf ca. 8.000 schätzen. Aber Schwamm drüber.
Das Spiel selbst zeigte sich zunächst unauffällig. Die Gastgeber hatten wohl in der 2. Minute ihre Chance….aber, wie schon erwähnt, zu diesem Zeitpunkt befand ich mich mit meiner Freundin noch nicht im Stadion, wie viele andere, auf Grund der Aktion. Nun springe ich zackig in die 15. Minute. Da klingelte ich nämlich zum ersten Mal im Gehäuse von Keeper Roggentin. Eine Ecke von Marco Gebhardt getreten, landete mustergültig auf dem Kopf des aber so was von blank stehenden Stuff, der die Birne einfach nur hinhielt. Der Ball wurde zum tückischen Aufsetzer und war aus diesem Umstand heraus sicher nicht ganz so einfach zu parieren gewesen. Jedenfalls sah Roggentin nicht ganz glücklich aus, denn der Ball setzte praktisch neben seinem Fuß auf. Jedoch wird jeder, der schon mal den Torwart gespielt hat wissen, dass solche Murmeln unter Umständen schwer zu bekommen sind. Wie auch immer, 1:0, ich überfiel meine Süße regelrecht. Klasse, herrlich, so konnte es weitergehen. Um schon mal vorzuwarnen: Es ging nicht so weiter. Die Begegnung war geprägt von Abstimmungsfehlern auf beiden Seiten. Allerdings wage ich hier mal zu behaupten, dass Union noch den tick besseren Eindruck machte….eigentlich nicht der Rede wert. Auch Jan Glinker hatte zwischendurch bei einem Freistoßstrich von Frahn so seine Liebe Müh und Not. Er ließ den Ball abklatschen und Göhlert rettete vor zwei anstürmenden Babelsbergern. Dann, kurz vor dem Pausenpfiff, konnten die Gäste einen entscheidenden Nadelstich setzten. Patschinski und Benyamina spielten einen feinen Doppelpass, wodurch „Patsche“ auf der Außenbahn durch war. Dieser brachte den Ball flach in den 16-Meterraum, wo Dustin Heun sich gegen zwei (!) Babelsberger behaupten konnte, und den Ball aus äußerst spitzem Winkel dem wieder etwas unglücklich agierenden Roggentin durch die Hosenträger schoss. 2:0! Pause! Natürlich hielt sie die Euphorie auf den Gästerängen in Grenzen, denn jeder weiß was so eine 2:0-Führung hier in Babelsberg wert ist. Es schien eine Art gefühltes Unentschieden zu sein. Jedoch war meine Frau heute im Stadion, in diese schien den Jungs Glück zu bringen. Babelsberg schien nach der Pause zaghaft zu versuchen den Anschluss zu erzwingen, was jedoch nicht mal in Ansätzen gelang. Leider fügte sich Union nahtlos ein. Ein schreckliches Gekicke, was sich da unter grauem Himmel abspielte. Später wechselte Neuhaus Benyamina aus, also ging eine von den von Anfang an durch Union-Trainer Neuhaus aufgestellten drei Spitzen, die durch den im Winter vom SV-Babelsberg gekommenen Shergo Biran ersetzt wurde. Psychokrieg? Jeder wusste, dass man Biran an alter Wirkungsstätte nicht mit Lobeshymnen empfangen würde, zumal er mit 9 Treffern erfolgreichster Torjäger war. Doch in der 66. Minute war ein weiteres Tor zu bestaunen: Diesmal verschätzte sich Roggentin jedoch eiskalt nach einem 30 Meter-Freistoß von Mattuschka. Er kam scheinbar zu spät aus seinem Kasten, denn bevor er dann Ball wegfausten konnte kam bereits der wuchtige Heun angeflogen und köpfte sein zweites Tor an diesem Tag. Die Entscheidung war gefallen. Meine Prinzessin sagte übrigens ein 4:0 voraus, welches Brian dann tatsächlich auch erzielen konnte. Das ganze nach dem Roggentin einen Abwurf direkt in die Füße von Mattuschka spielte, dieser bediente Biran clever und der erzielte das reguläre vierte Tor, welches wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung nach gegeben wurde. Die Fernsehbilder bewiesen im Nachhinein das glatte Gegenteil. Eine Fehlentscheidung, die Gott sei Dank ohne Folgen blieb. Ansonsten pfiff Guido Winkmann unauffällig, allerdings ließ das Spiel auch nichts anderes zu. Nur zwei Mal zückte der Referee gelb. Bezeichnend, dass keine dieser Verwarnungen an einen Babelsberger Spieler ging. Diese hatten sich nach dem 0:3, dem Genickbruch, aufgegeben und fingen sich fast noch die vierte Bude in einem Spiel, was über lange Zeit von zwei gleichwertigen Mannschaften geführt wurde…allerdings auf überschaubaren Niveau. Kurz um – Es blieb beim letztendlich verdienten deutlichen Sieg für den 1.FC Union, der diesmal kein böses Erwachen erleben musste. Für den SV Babelsberg wird die Luft nach dieser Niederlage indes immer dünner. Das Ziel der Qualifikation für die dritte Profiliga rückt in immer weitere Ferne. Hingegen darf der 1.FC Union weiter vom Aufstieg in die zweite Bundesliga träumen. Man setzte sich auf den zweiten Tabellenplatz und die Statistik weist nur einen Punkt Rückstand auf den Tabellenführer RW Oberhausen auf. Allerdings spielt die Fortuna aus Düsseldorf am Mittwoch, den 19. März, gegen den finanziell und sportlich angeschlagenen Verein aus Dresden. Die Rheinländer könnten den 1.FC Union noch auf den dritten Rang verdrängen, was allerdings keinem Beinbruch gleich kommen würde. Viel mehr spielen die Köpenicker endlich ihre Konstanz aus. In der Rückrunde verloren sie noch kein einziges Meisterschaftsspiel und bauen damit eine eindruckende Serie weiter aus. Man selbst feierte nach den 90 Minuten noch ein wenig mit der Mannschaft und verließ dann bei subjektiv immer kühler werdenden Wetter den Ort des Geschehens durch den Babelsberger Park. Was für eine Gebirgswanderung das bedeutet ist schon verblüffend, da die Steigungen von außen gar nicht so extrem rüberkommen. Jedenfalls kamen ich und meine Prinzessin gut zum Auto und setzten uns dann in Bewegung. Zufrieden konnte nun der Rest des Tages begangen werden.
Zur Atmosphäre bleibt zu bilanzieren, dass sie wesentlich ruhiger war als z. B. beim letzten Derby in der Oberliga im Jahr 2005. Was wohl dem diesmal deutlichen Ergebnis geschuldet war.

Keine Kommentare: