Montag, 29. September 2008

Ein Gebhardt für alle Fälle

Am Ende großer Jubel beim zahlreich erschienenem Anhang aus Berlin.
Union kann das zweite Auswärtsspiel hinter einander positiv gestalten und fährt mit 3 Punkten aus Jena zurück in die Wuhlheide, wo man sich auf das Heimspiel gegen den VfR Aalen, am kommenden Samstag vorbereiten wird. Die Vorzeichen sind gut, da Trainer Neuhaus endlich wieder Stürmer zur Verfügung stehen. Auch wenn Dustin Heun wieder Probleme beim Genesungs-Zustand zu haben scheint, wie man der Presse entnehmen konnte. Das Spiel machte mal wieder anschaulich, wie weit sie Mannschaft sich entwickelt hat, vor allem im Umgang mit Drucksituationen. Denn Jena reagierte zuerst nicht wie man es erwartet hatte. Nach dem unter der Woche bekannt geworden war, dass René van Eck (ein völlig unbeschriebenes Blatt) Trainer des Kellerkindes wird, und dieser die Mannschaft gegen Union zum ersten Mal Coachte, hätte man frischen Wind erwartet. Oder zumindest eine Jenaer Mannschaft, die mit Druck in die Offensive geht. Dies ließ jedoch auf sich warten. Stattdessen geizten beide Teams mit gefährlichen Szenen. Erst in der 37. Minute schlug Union eiskalt zu. Und wieder zeichnete sich Kapitän Gebhardt mitverantwortlich dafür, dass Shergo Biran einen Flugkopfball aus spitzem Winkel in die Maschen brachte. Zuvor spielte er mit den Defensivkräften Katz und Maus, bediente Kohlmann wunderbar, der den Ball im Laufen mitnahm und fast von der Grundlinie eine Flanke schlug, die Biran verwertete. Da war sie wieder – die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss, die in den Jahren zuvor immer gefehlt zu haben schien. Nicht unbedingt verdient, aber ein Beleg dafür, dass man die Chance die volle Punktzahl in Jena zu ergattern, sprunghaft ansteigen lassen kann.
Die Gastgeber kamen mit Wut im Bauch aus der Kabine und übernahmen sogleich das Zepter. Folgerichtig viel in der 49. Minute bereits der Ausgleich und es sollte noch besser werden, für die Thüringer. Sie drehten weiter auf und drückten Union in die eigene Hälfte. Hier offenbaren sich wieder die Schwächen der Truppe, die irgendwie wenig entgegenzusetzen haben scheint, wenn der Gegner massiv Verstöße in der Offensive fährt. So kam es, dass z.B. Ziegner (Freistoß) oder auch Hähnge (im Sommer aus Rostock gekommen) gute Szenen hatten, die durchaus zu Toren hätten führen können. Doch dann, nach 20 gespielten Minuten in der ersten Halbzeit, schlug Union wieder zu. Ein Eckstoß, getreten durch (na klar) Gebhardt, fand den Kopf von Christian Stuff, der für Patschinski spielte, und auf einmal stand es 2:1 – Union wieder in Front. Dieses Tor hatte den Effekt, dass Union sich aus der Umklammerung der Gastgeber befreien konnte. Der Zweitligaabsteiger brach nun etwas ein, war aber immer noch nicht endgültig niedergerungen. Neuhaus wollte diesen Vorsprung so wohl über die Zeit bringen und musste in der 81. Minute noch mal den Atem anhalten, als ein Freistoß knapp am Tor von Glinker vorbei strich. Auch die Hauptstädter besaßen eine 1000%-Chance, als Younga in der 94. Minute alleine auf das Tor zu lief, es aber nicht vermochte den Ball an Keeper Krause vorbei zuschieben. Dieser hielt den Versuch und damit stand auch der 2:1-Erfolg des 1.FC Union fest. Der zweite Erfolg in Serie gegen eine Mannschaft aus den neuen Bundesländern, einem s. g. Ostderby. Noch vor 2 Jahren unterlag Union regelmäßig in solchen Vergleichen. Damals hießen die Stolpersteine Dresden, Erfurt und Magdeburg. Doch mit dem Reifegrad steigt auch der Erfolg. Und dieser reflektiert sich in den Zahlen. Die letzten 4 Punktspiele gegen Dresden z. B. konnte Union gewinnen. Eine Serie, die noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen wäre. Vor dem Heimspiel am 4. Oktober im Jahn-Sportpark kann Uwe Neuhaus auf sieben Meisterschaftsspiele in Serie blicken, die inzwischen Union ungeschlagen ist. Eine Serie, die man gegen Aalen ausbauen möchte. In Jena konnte man vor allem Selbstvertrauen tanken, so, dass man gegen die von Jürgen Kohler trainierte Mannschaft eine realistische Chance auf ein weiteres Erfolgserlebnis haben sollte.

Donnerstag, 25. September 2008

30 Meterschuss mit Überraschungseffekt

Ein gepflegtes Unentschieden gegen die Eintracht aus Braunschweig bringt Union sportlich nicht weiter. Stellt aber auch keine Tragödie dar.

Am Ende tat der Extraapplaus von den Rängen von der Gegengerade den Spielern sichtbar gut. Auch im sechsten Ligaspiel in Folge baute der 1.FC Union seine Serie weiter aus. Er bleibt ungeschlagen – nur der erste Spieltag in München bildet dort eine Ausnahme. Schon in der 10 Minute konnten die Mannen um Uwe Neuhaus ihr Konzept über den Haufen werfen. Ein Ballverlust von Younga Mouhani im Mittelfeld brachte die Eintracht in eine gute Position, allerdings foulte Younga den Spieler ca. 25 Metern vor dem Tor von Jan Glinker. Normalerweise eine klare Angelegenheit, Freistoß. In diesem Fall kam Banser jedoch aus dem Hintergrund angeschossen und zog augenblicklich ab. Der Ball setzte tückisch auf und war somit für Glinker schwer zu halten. Das Ende vom Lied war das der Ball noch durchrutschte und von den Rängen heftiger Protest kam, da Schiri Thomas Metzen keine eindeutigen Gesten machte und die überwiegende Mehrheit (auch der Abwehrspieler) mit einem Freistoß rechnete. Verdutzt schaute man sich um, um 6 Minuten später fast ein Déjà-vu zu erleben, denn bereits da hatte Marcel Schied das 2:0 für Braunschweig auf dem Fuß. Scheiterte aber an Biran, der auf der Linie geistesgegenwärtig die Beine zusammen schob und damit das 0:2 verhinderte. Denn im März sah man sich zuletzt in einem Meisterschaftsspiel. Ebenfalls in Berlin und dort führte Braunschweig Union in der ersten Hälfte teilweise vor und ging mit einer 2:0 Führung in diem Kabine. Dieser Kelch ging diesmal an den Gastgebern vorbei, die bereits in der 20 Minute zum Ausgleich kamen. Ein Freistoß von Gebhardt gefährlich in den 16er gebracht, wo Ruprecht seinen Gegenspieler Schanda abschütteln kann und den Ball via Kopf querlegt. Plötzlich tauchen zwei Unioner völlig frei vor Keeper Fezic auf. Während Biran die Kugel verpasst, legt Dogan sich die Pille noch einmal vor und überlupft den herausstürzenden Torwart. Die Braunschweiger zeigten sich noch einmal vor Glinkers Tor, wie auch Union vor dem Gehäuse von Fezic. Birans Kopfball war ein dankbarer für den fast 2-Metermann zwischen den Pfosten.
Aus der Kabine kamen die Profis aus Köpenick mit einem anderen Gesicht. Sie drängten die Braunschweiger in die eigene Hälfte und bauten nun langsam aber stetig Druck, auf der in Torchancen mündete. Wie immer beteiligt dabei Marco Gebhardt, der z. B. bei der besten Möglichkeit für Union den Doppelpass inszenierte und die Vorlage gab. Der Abnehmer war Shergo Biran, der an klasse reagierenden Fezic scheiterte. Bereits zuvor konnte Patschinski eine Chance für sich verbuchen, die mit Glück geklärt wurde. Dem voraus gegangen war eine Flanke von Mattuschka, der sich wieder ins Team gewurschtelt hat und eine tragende Rolle spielt, so wie vor seinem Platzverweis im Spiel gegen Oberhausen. Union hatte jetzt deutlich mehr vom Spiel und ließ die technische Klasse auch ab und zu aufblitzen, für ein richtiges Drängen auf den Führungstreffer langte das allerdings nicht. Stattdessen kamen die Gäste durch einen Schuss aus der Drehung kurz vor Schluss noch mal zu einer tollen Szene, die Glinker mit einem tollen Hechtsprung entschärfen konnte. Gäste-Coach Thorsten Lieberknecht gab sich nach dem Spiel in der PK zwar versöhnlich mit dem Ergebnis, bezeichnete es auch als angemessen, fiel aber in den letzten Minuten durch pausenloses Protestieren und Gestikulieren auf. Dies veranlasste den Unparteiischen dem jungen Trainer einen Besuch an der Seitenlinie abzustatten, um ihn zur Ruhe zu mahnen. Wieder wurden Stimmen laut, dass man zwei Punkte „verloren“ hätte. Neuhaus frischte die Erinnerungen daran wieder auf, dass in der letzten Spielzeit vor allem solch enge Partien oft den Bach komplett hinunter gingen und diese Punkt am Ende sogar Gold wert sein kann – logisch. In einer Woche geht’s zum Auswärtsspiel zu den gebeutelten Jenaern nach Thüringen, ins Ernst-Abbe-Sportfeld.

Mittwoch, 17. September 2008

Der Kaiser trägt Trauer

Durch das 1:0 in Dresden klettert der 1.FC Union auf Platz 4

Uwe Neuhaus sprach von der schlechtesten Halbzeit seit dem Saisonauftakt und von Problemen seiner Mannschaft ins Spiel zu finden. Man hätte defensiv nicht gut gestanden und verteilte ein Extralob an Jan Glinker, der in der ersten Halbzeit so ziemlich alles hielt, was auf sein Tor kam. Und das war viel. Dresden war das deutlich aktiviere und überlegene Team. Körperlich robust und entschlossen. Es ergaben sich eine fülle an Chancen für die in gelb schwarz gekleideten Kicker von der Elbe. Mit Glück und Geschick konnte der Schlussmann im Union Tor ein ums andere Mal die Führung der Gastgeber vereilten. Schlussendlich war die erste Halbzeit eine zum vergessen. Hingegen war Dresden vor allem in Person von Thomas Bröcker omnipräsent auf dem Platz. Der stämmige Stürmer stellte Marco Gebhardt und Kollegen immer wieder vor schier unlösbare Aufgaben. Durch seine herausragenden Sprintqualitäten stellte er die Defensive bei jedem Angriff wieder auf Neue auf den Prüfstand. Bis zur Pause konnte sich Uwe Neuhaus glücklich schätzen, dass es noch nicht geklingelt hatte für Dresden, dass das 0:0 vom Anpfiff noch Bestand hatte.
Nach der Pause wurde das Spiel ausgeglichener und Union kam zu guten Möglichkeiten. Erst recht als Jungnickel (SG Dyn. Dresden) in der 64. Minute die Ampelkarte entgegennahm schien das Match endgültig zu kippen. Die Mannen in den Jerseys des Gastes probierten alles, aber scheiterten unter anderem an der Latte des Dresdner Gehäuses. Aber auch die Dresdner selbst blieben brandgefährlich bei Kontern und hätten ihrerseits eine der Chance, die sie trotz Unterzahl noch erarbeiteten nutzen können. Man kann dem also entnehmen, dass sich ein Schlagabtausch entwickelte. Erst als sich ca. 5 Minute vor Schluss alle mit einem 0:0 abgefunden zu haben schienen schlug Torsten Mattuschka zu. Aus 18 Metern zimmerte er eine Kopfballabwehr eines Dresdners, die ihm vor die Füße viel in den linken Winkel. Und vor den sich aus dem Sand erhebenden neunen Tribühne des neuen Dresdner Stadions bildete sich eine Spielertraube, die aus Unioner bestand um Mattuschka herum. Seinen letzten Treffer in einem Meisterschaftsspiel für Union schoss er beim 3:0 Erfolg in Essen Anfang April des Jahres. Ruud Kaiser, seit dieser Saison neuer Trainer in Dresden, trauerte den Chancen hinterher und betone noch mal, dass man „alles versucht hat um ein Tor zu machen“ und die gelbe Karte aus seiner Sicht nicht hätte gegeben werden müssen. „Unser Spiel ging danach komplett kaputt“. Der Kaiser trug sichtlich Trauer.
Ob man das in Dresden, mit hohen Zielen ausgestattet, als Vorwand für die Niederlage akzeptieren wird ist fraglich. Alleine anhand des Stadions lassen sich die Ziele der Elbe-Städter ablesen. Für Union war es ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung unbestimmtes Saisonziel. Denn wirklich festnageln lassen möchten sich die Herren Zingler, Beeck und Neuhaus nicht. Zu ausgeglichen ist die diese Liga und zu verschwommen ist das tatsächliche Potential der Mannschaft aktuell. Denn die Tabelle zeigt nach dem 6 Spieltag schon Tendenzen, aber keine deutlichen Fingerzeige. Mannschaft, die mit 4 Punkten im Tabellenkeller stehen können nach einer Serie von (nehmen wir mal an) 3 Siegen in Folge des Tabellenbild schon wieder durcheinander wirbeln.

Sonntag, 7. September 2008

Einmal das Maximenü, bitte!

Der englische Fußball-Verein FC Chelsea offeriert dem AC Mailand ein Angebot von 100 Millionen Euro für das Mittelfeldass Kaká. Dies ist die Fortsetzung der Marschrute vom russischen Mätzen Roman Abramowitsch

Erst am heutigen Tag (11. August) wurde es publik: Umgerechnet fast 200 Millionen Mark bietet der englische Vizemeister und Champions League zweiter für den brasilianischen Nationalspieler Kaká vom AC Mailand aus der Serie A. Eine Summe, die nicht wenige schlicht aus den Latschen kippen lässt. Doch im modernen, internationalen Profifußball sind dies inzwischen keine Seltenheiten mehr. Spieler wechseln ihren Arbeitgeber vorzeitig für viele Millionen Euro und beziehen horrende Gehälter. Doch kann ein Verein selbst aus dem Sponsorenetat etc. so einen Transfer wirklich aus eigener Kraft bewerkstelligen? Es wäre bei einem Großteil der Klubs ein unrealistisches Unterfangen. Und in dieser Szenerie treten Hintermänner auf die Bühne, um beim Beispiel des FC Chelsea zu bleiben. Am 1. Juli 2003 kaufte der Russe Roman Abramowitsch, ein Mann, der durch den Rohstoff Öl zum Multimilliardär geworden ist, den FC Chelsea für geschätzte 210 Millionen Euro komplett auf. Doch das war erst der erste Schritt auf dem Weg zu einer großen Wandlung des Londoner Vereins. Im Sommer 2003, also mit dem Aufkauf des Klubs, begann eine beispiellose Verpflichtungswelle von Stars, die zum Teil aus England als auch aus dem Ausland kamen. Es war ein Transfermarathon, bei dem weit über 150 Millionen Euro alleine in die Ablösesummen für die Neuzugänge der Saison 2003 / 2004 flossen. Unter ihnen die Argentinier Hernan Crespo (Inter Mailand, 26.000.000 €), Juan Sebastian Veron (Manchester United, 22.500.000 €), Damien Duff (Blackburn Rovers, 26.500.000 €), Adrian Mutu (FC Parma, 22.750.000 €) und Claude Makeléle (Real Madrid, 20.000.000 €). Aufsehen erregte auch der innerenglische Transfer des damals 18 Jährigen Glen Johnson, der von West Ham United gekommen mehr als 8 Millionen Euro Ablöse kostete. Gleichzeitig gab es voluminöse Abgänge zu verzeichnen. Diverse Spieler verließen den Verein – eine sportliche Kehrtwende um 180°. Vor allem junge Nachwuchsspieler kehrten dem Verein den Rücken und wechselten zum großen Teil (!) innerhalb von England zu anderen Klubs, um dort ihre Chance zu finden. Es lässt sich nur spekulieren, weshalb und wieso, aber eine Vermutung könnte sein, dass sie die Chance sich unter den gegebenen Umständen noch durchzusetzen auf ein Minimum geschrumpft sahen. Eine Neustrukturierung. Und das innerhalb weniger Wochen. Chronologisch also schon für Top-Vereine in Europa nur von einer Hand voll zu realisieren. Das Ziel der Offensive auf dem Markt war ganz klar nachhaltige Wirkung, sprich der Meistertitel und die Champions League (die europäische Königsklasse) erringen. Anhand des Alters der verpflichteten Spieler und ihres damaligen Stellenwertes in der Welt war glas klar, dass es um Erfolg auf kurzfristige Sicht ging. Abramowitsch wollte nicht irgendwelche Talente aus dem Verein behutsam an die erste Mannschaft in der Premier League heranführen. Und die Taktik schien fast aufzugehen, aber eben, horcht, nur fast. Am Ende der Premier League Spielzeit 2003 / 2004 belegte der FC Chelsea mit 79 Punkten den zweiten Platz hinter dem Stadtrivalen Arsenal London. Damit noch nicht genug, Arsenal verlor keines der 38 Punktspiele. Erschwerend kam hinzu, dass mit Jimmy Hasselbaink in der Torschützenliste erst auf Rang 13. der erste Chelsea-Spieler auftauchte. Wieso ich dies erwähne? Weil die Londoner zwar die zweitbeste Offensivabteilung auf dem Rasen stellten, es aber keinen richtigen Torjäger gab.
Im Sommer 2004, ein Jahr lang dauerte das Engagement des Milliardärs zu diesem Zeitpunkt bereits, startete man die nächste Transferoffensive. In ähnlich riesigen Umfang wie den Sommer zuvor. Diesmal standen auf der Wunschliste des Roman Abramowitsch Spieler wie Mateja Kezman (PSV Eindhoven, 7.500.000 €), Paulo Ferreira (FC Porto, 20.000.000 €), Ricardo Carvalho (FC Porto, 30.000.000 €), Arjen Robben (PSV Eindhoven, 18.000.000 €), Torwart Petr Cech (FC State Rennes, 13.000.000 €), Tiago (ZSKA Moskau, 12.000.000 €) und der Megatransfer Didier Drogba (Olympique Marseille, 36.000.000 €). Ferreira und Carvalho kamen von portugiesischen Meister und Champions League Sieger 2004, dem FC Porto. Zwei Portugiesen, auf Grund dessen, dass ein neuer Übungsleiter installiert wurde: José Mourinho. Und dieser kam im Sommer 2004 ebenfalls vom FC Porto und führte seine ehemalige Mannschaft, den FC Porto, zu nationalen und internationalen Titeln, wie z. B. den Triumph in der Königsklasse im Jahr 2004. Er nahm seine Herzensspieler also gleich mit auf die Insel, bekam also viele Freiheiten vom Klubeiniger. Doch nach dem Abdanken seines Vorgängers Claudio Ranieri und weiteren über 150 Millionen Euro Investitionen alleine in neue Spieler, Gehälter herausgerechnet, lastete eine schwere Last auf den Schultern des für einen Trainer jungen Portugiesen.
Doch er stemmte sie mit Bravour und holte in der Saison 2004 / 2005 mit dem FC Chelsea 95 Punkte (!) und wurde souverän Meister vor dem Vorjahreschampion FC Arsenal.
Die Saison wurde allerdings nicht in der Offensive entschieden, sondern in der Defensive, die in 38 Spielen nur sagenhafte 15 Gegentore zuließ, was bis heute Vereinsrekord darstellt. Es war der zweite Meistertitel seit 1955 für die Londoner. Außerdem errang man den FA Community Shield, eine Art Supercup. Dabei spielte der Meister gegen den FA-Cup-Sieger (vergleichbar mit dem DFB-Pokal). Das Marionettenspiel um den schon angesprochenen Ranieri und Mourinho machte deutlich, welch großes Einzugsgebiet der Einfluss von Abramowitsch bereits eingenommen hatte. Nicht nur über die Transfers auf, sondern auch auf die neben dem Feld hatte er seine Hand.
National war das Team nun also konkurrenzfähig und hatte dank der russischen Millionen, diese Modells, mächtiges Medieninteresse zu verzeichnen. Nur international wollte es nicht so Recht auf das Niveau der bestimmenden Klubs in Europa kommen.
Aus diesem Grund wurden weiter unbeschwert Millionen in Spieler wie Essien, der ghanaische Topstar kam aus Lyon und kostete 38.000.000 €, Shaun Wright-Phillips (Manchester City, 31.500.000 €) und Asier del Horno (Athletik Bilbao, 12.000.000 €) gesteckt. Ein überteuerter Veron wurde in der Zwischenzeit herumgereicht, damit er nicht auf der Gehaltsliste stand, denn sportlich spielte er keine Rolle mehr.
Wieder wurde man Meister, diesmal mit 91 Punkten und 22 Gegentoren. Die Saison 2005 / 2006 schien also erfüllt, oder nicht?
Nicht ganz, im internationalen Geschäft blieb nämlich alles beim Alten: Kein Champions League Triumph für den FC Chelsea.
Auch für die Saison 2006 / 2007 waren wieder Millionentransfer fixiert worden. Nur Michael Ballack kam von den namhaften Spielern für lau in die englische Hauptstadt, da sein Vertrag bei den Münchnern im Sommer 2006 (also nach der WM im eigenen Land) auslief. Der Transfer vom ukrainischen Superstar des AC Mailand fiel da schon üppiger aus. 46.000.000 € lies sich Abramowitsch den Mann, der in Kiew des Fußballspiel gelernt hat kosten. Bis heute die höchste Summe, die der Russe für einen Spieler freigegeben hat. Es war freilich der Anfang des sportlichen Niedergangs, wenn man die Investitionen in Relation mit dem Ertrag setzt. Denn attraktiven Fußball gab es weiterhin – ohne Frage. Ein Favorit war geboren, nur gelang der große Wurf in der Saison 2006 / 2007 nicht mehr. Jedoch konnte man sich den Vizetitel anheften und auch wiederum die sattelfesteste Abwehr bescheinigen lassen. Doch die sportliche Situation stand im krassen Missverhältnis zu Abramowitschs Vorstellungen. Wieder gab es keinen internationalen Titel und sogar national gab es nichts mehr zu feiern. Und diverse Gazetten glaubten zu wissen, dass der Öl-Milliardär das Interesse an seinem Spielzeug verloren und sogar einen Ausstieg aus dem Geschäft erwogen habe. Ein Abzug des Kapitals hätte für den Londoner Klub den finanziellen Kollaps bedeutet. Denn die nackten Zahlen, mit denen operiert wurde, und auch heute noch operiert wird, sind fatal. Jahr für Jahr fährt häuft man ein saftiges Minus an, welches allerdings durch Abramowitsch kompensiert wird. Beim Kauf des Klubs im Jahr 2003 übernahm er z. B. sämtliche Altlasten, komplett. Die Investitionen des Vereins wurden im Jahr 2007 rapide zurückgefahren. Auf Geheiß des Geldgebers halbierte sich die Summe, die man in den Jahren zuvor in Spieler investiert hatte. Nur noch ca. 60.000.000 € Euro ließ der Russe für die Verpflichtung neuer Spieler ausschütten. Was diesmal noch dazu kam war, dass man Arjen Robben (den man schon damals getrost also Star bezeichnen konnte) für 36 Millionen Euro an Real Madrid abgab. Auch Glen Johnson, Lassana Diarra und z. B. Khalid Boulahrouz verließen den Verein. Wobei man den Niederländer Boulahrouz nur auf Leihbasis zum FC Sevilla in die Premiera Division abgeben konnte. Zu den prägnanten Abgängen gesellten sich diverse Jungprofis im Alter zwischen 17 und 21 Jahren hinzu, die entweder ausgeliehen oder komplett und endgültig abgegeben wurden.
Inzwischen kristallisierte sich allerdings heraus, dass Abramowitsch nicht mehr der Hai im Fischbecken war. Auch Manchester United wurde von Investoren, allerdings aus den USA, übernommen. Allerdings ließ man der sportlichen Führung dort, so macht es auf mich jedenfalls den Eindruck, freiere Hand. Über Jahre hinweg butterte der FC Chelsea über seinen Oligarchien Millionen an Euro für Spielertransfers in den Verein und trotzdem gab es nie den großen Wurf – international gesehen. Schießt Geld alleine also tatsächlich keine Tore? Das wäre die falsche Einschätzung, denn es durchaus so, dass mit dem entsprechenden finanziellem Einsatz eine gewisse Konstanz Einzug halten kann. Das bewies der FC Chelsea im abgelaufenen Sommer des Jahres 2008 wiederholt, als man die englische Vize-Meisterschaft (feiern möchte ich nicht sagen) verbuchen konnte – erneut. Nur war die See dieses Mal verdammt unruhig, denn bereits im September des Jahres 2007 musste der (ohne Zweifel mit viel Selbstbewusstsein ausgestattete) Trainer José Mourinho seinen Platz räumen bzw. wurde vom Dienst freigestellt. Es bestanden unüberwindbare Differenzen mit dem Mann, der die Zügel in der Hand hält, der nur die (Geld-) Infusion abziehen muss, damit beim FC Chelsea nur noch wenige Bälle rollen. Der Portugiese verschwand von der großen Londoner Bühne. Er war ein Mann der großen Auftritte, der großen Worte. Ausgestattet mit einem überdimensionalen Ego – er wurde durch einen stillen Zeitgenossen ersetzt. Avraham Grant, Israeli, besetzte erst seit Sommer 2007 den Posten des sportlichen Leiters. Zuvor stand er beim FC Portsmouth unter Vertrag. Erstaunlich: Der FC Chelsea zog zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte ins Champions League Finale ein. In Moskau traf man auf den englischen Meister Manchester United, gegen die Mannschaft, gegen die Grant bei seiner Trainer-Premiere Im September 2007 eine 0:2-Schlappe hinnehmen musste. Jedoch konnte der die Qualität des Teams zum Besseren wenden und so mauserte sich Chelsea zu einem ernsthaften Konkurrenten für „ManU“. Die englische Meisterschaft entschied sich erst am letzten Spieltag, dem 38. Punktgleich gingen beide Mannschaften in den letzten Spieltag, jedoch gewann Manchester sein Spiel gegen Wigan Ahtletic 2:0, während Chelsea gegen die Bolton Wanderers „nur“ zu einem 1:1 kam. Damit war der Alte der auch gleichzeitig der neue Meister. Einen Monat nach der Entscheidung in der Meisterschaft und drei Tage nach dem Champions League Finale von Moskau, am 11. Juni 2008, publiziert der Verein, dass ab der neuen Saison Luiz Felipe Scolari das Chef-Traineramt übernehmen wird. Die Gewissheit, dass Grant irgendwie nicht zu diesem sehr selbstbewussten Image des FC Chelsea passte hatte sich gleichzeitig mit bestätigt. Ein Mourinho, der wollte sich nicht in die Karten schauen lassen, sondern freie Hand über das System und das zu Stande kommen von Resultaten haben. Grant versuchte loyal gegenüber Abramowitsch zu sein, auf die Wünsche nach dem optisch ansprechenden Spiel einzugehen. Seit dem Juli 2008 ist auch der Israeli, der vor seinem Engagement beim FC Chelsea im UEFA-Raum ein gänzlich Unbekannter war, Gesc

Donnerstag, 4. September 2008

Zahlen lügen nicht.

Der 1.FC Union zieht in seinen ersten drei „Heimspielen“ im Jahn-Sportpark zu wenig Zuschauer an. Die kalkulierte Zahl wurde bei den bisherigen Auftritten weit verfehlt.

Also der geneigte Beobachter am letzten Samstag seinen Blick während des Heimspiels gegen Wuppertal durch den Jahn-Sportpark schweifen ließ zuckte er vermutlich leicht zusammen oder wurde nachdenklich. Denn was sich da auf den Rängen versammelte sollte wieder nicht für mehr als 6.000 Zuschauer reichen. 5.455 Zuschauer fanden sich bei bestem Wetter und günstigen sportlichen Vorzeichen zum Spiel des 1.FC Union gegen de3n Wuppertaler SV im Prenzlauerberg ein – deutlich zu wenig für den Schnitt, mit dem man kalkuliert. Und genau dort muss man auch zu nächst ansetzen: Bei der Kalkulation, die vor der Saison fixiert wurde und auch den Etat wesentlich beeinflusst. Seit der Saison 2005 / 2006 stieg der Zuschauerschnitt bei Heimspielen kontinuierlich an. Waren in der katastrophalen Saison noch 4.400 Fans (einschl. Gäste) im Stadion, so konnte man im ersten (und bis heute einzigen) Jahr in der Viertklassigkeit einen immensen Zuschaueranstieg verzeichnen. Am Ende standen 5.903 Zuschauer zu Papier, die im Schnitt die Heimspiele des 1.FC Union in Berlin-Köpenick bevölkerten. Darunter solch Leuchttürme, wie die 14.020 Zuschauer, die im Derby gegen den BFC einen neuen unangefochtenen NOFV Oberliga-Rekord aufstellten.
Nach dem man den direkten Wideraufstieg bewerkstelligen konnte, der vor Ultimo dann sogar recht deutlich ausfiel, stieg der Wert in der Saison 2006 / 2007 auf beeindruckende 6.900 Zuschauer im Durchschnitt. Im Heimspiel gegen den FC St. Pauli am 17. März 2007 konnte zu dem mit 16.415 Zuschauern der größte Andrang zu einem Meisterschaftsspiel seit 1985 verzeichnet werden. Damals hieß der Gegner allerdings noch FC Stahl Brandenburg.
Und dieser Trend wurde in der Saison 2007 / 2008, der gerade abgelaufenen, also weiter fortgesetzt. Über 7.000 Zuschauer besuchten die Heimspiele in dieser Saison und sorgten dafür, dass auch im dritten Jahr die Zahlen weiter nach oben wachsen. Gleichzeitig wachsen aber auch die Erwartungen und in der neu gegründeten eingleisigen dritten Liga, so versprach man sich, würde die Attraktivität der Gegner weiter steigen. Die letzten drei Punktspiele in der Regionalliga 2007 / 2008 zogen alle samt über 11.000 Besucher an und den goldenen Abschluss bildete das zugleich letzte Meisterschaftsspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen, in dem es noch mal um alles ging, genauer gesagt um die theoretische Aufstiegschance. Es strömten über 14.200 Menschen zu dieser Ansetzung und sorgten für die zwei höchste Zuschauerzahl in einem Heimspiel in den letzten 3 Jahren. In der Summe standen also die schon angesprochenen über 7.000 Zuschauer pro Heimspiel und damit verbunden auch die Hoffnung den Aufwärtstrend fortzusetzen. Nun muss schon mal eingeschoben werden, dass die 5.100 z. Z., die gegen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart gezählt wurden, eine ordentliche Hausnummer waren, mit der man absolut zufrieden sein kann. Vor allem vor dem Hintergrund, dass noch vor einem Jahr bei der Regenschlacht gegen Dortmund II 3.700 und gegen Werder Bremen II gar nur 3.400 Zuschauer sich eingefunden haben. Hier war also ein klarer Trend hin zum Positiven auszumachen.
Viele verbanden den Jahn-Sportpark jedoch mit der Hoffnung vielleicht mehr Berliner und Touristen auf den 1.FC Union aufmerksam zu machen. Selbstverständlich sollte sich das auch in den Besucherzahlen widerspiegeln. Das Stadion liegt zentraler als das an der Alten Försterei, nämlich nicht unweit vom Alexanderplatz entfernt, und genießt damit einen Standortvorteil, zumindest bei den Spontanbesuchern, die sich nicht extra auf den Weg nach Köpenick machen wollen, sollte man meinen. Die aktuelle Situation suggeriert das Gegenteil und das Spiel gegen Wuppertal war die beste Veranschaulichung. Noch im April kamen zum Punktspiel gegen Wuppertal über 7.500 Menschen ins Stadion an der Alten Försterei. Die sportliche Ausgangsposition ist fast parallel zur aktuellen, nur das die Saison 2008 / 2009 sich noch im Anfangsstadium befindet.
Vor den Spielen gegen Burghausen und Wuppertal weilte das Maskottchen des 1.FC Union, Ritter Keule, an der Schönhauser Allee und rührte die Werbetrommel für die Spiele der Köpenicker im Jahn-Sportpark. Passend dazu lautet der Slogan der Kampagne „Union kommt – exklusiv in den Prenzlauerberg.“ Dazu prangerte am Rad des Ritters ein Aufkleber mit dem Schriftzug „Nur für kurze Zeit.“ Dies dürfte sich nun umschreiben lassen, denn durch den nötigen Einbau des Daches im Stadion an der Alten Försterei wird man nicht, wie erhofft, bereits in ca. 1 Monat Heimspiele in Köpenick austragen können. Bis November wird man mit dem bei manch Alteingesessnen Unioner unbeliebten Stadion in der Nähe vom „Alex“ vorlieb nehmen müssen. Der Knackpunkt: Die Fans, die aus Prinzip nicht die „Heimspiele“ im Jahn-Sportpark besuchen. Sie bleiben den Spielen fern, weil sie eine tiefe Abneigung gegen das Stadion verspüren, wohl nicht zuletzt, weil die Angst vorherrscht, dass die Alte Försterei dem Verein doch noch entrissen werden könnte, wenn der Senat den Eindruck bekommt, dass der Mehrheit der Unioner das Ausweichquartier doch sympathisch ist. Hinzu kommt dann noch der Fakt, dass nicht all zu selten auch der BFC Dynamo die Spielstätte nutzt. Es kursiert eine Zahl im Raum, die natürlich eine Schätzung ist, aber erahnen lässt, wie viele Anhänger lieber zu Hause bleiben. 500 Fans, so schätzt man, reisen aus Prinzip nicht in den Prenzlauerberg, sondern wollen abwarten, bis der Umbau bzw. die Sanierung des Stadions in Köpenick abgeschlossen ist. Hier wird man wohl so viel Überzeugungsarbeit leisten können, wie man möchte, im Endeffekt werden sich wohl die Wenigsten umstimmen lassen. Sicher, Spiele wie das anstehende gegen Eintracht Braunschweig werden einen Wegweiser darstellen. Sie bedeuten einen Fingerzeig, was die möglichen Fanmassen angeht. Im März dieses Jahres besuchten knapp 10.000 Zuschauer das Kräftemessen in Köpenick – ein starker Wert, den es zu bestätigen gilt. Nicht mehr und nicht weniger.
Meine Hoffnung liegt, und das betone ich ganz offen, auf der Sanierung des Stadions an der Alten Försterei. Denn nicht selten war es so, dass durch Regenfälle und die daraus resultierenden durchgeweichten Ränge potentielle Zuschauer abschreckten. Zu dem gab es das Dach über dem Kopf nicht – viele Aspekte spielen ihre Rolle in diesem Puzzle. Keinen Hehl kann aber auch ich aus meinem ein wenig vorhandenen Wehmut machen. Denn ich besuche jedes Heimspiel des 1.FC Union zwar erst seit der Rückrunde 2003 / 2004, aber seit dem hat man irgendwie verstanden, was dieses Stadion so einzigartig machte. Dieser Charme, den man nicht erklären kann, man muss ihn erleben. Nicht nur einmal, sondern über viele Spiele hinweg. Es wird wieder dafür sorgen, dass die Ränge wieder voller werden, das Stadion an der Alten Försterei.