Sonntag, 7. September 2008

Einmal das Maximenü, bitte!

Der englische Fußball-Verein FC Chelsea offeriert dem AC Mailand ein Angebot von 100 Millionen Euro für das Mittelfeldass Kaká. Dies ist die Fortsetzung der Marschrute vom russischen Mätzen Roman Abramowitsch

Erst am heutigen Tag (11. August) wurde es publik: Umgerechnet fast 200 Millionen Mark bietet der englische Vizemeister und Champions League zweiter für den brasilianischen Nationalspieler Kaká vom AC Mailand aus der Serie A. Eine Summe, die nicht wenige schlicht aus den Latschen kippen lässt. Doch im modernen, internationalen Profifußball sind dies inzwischen keine Seltenheiten mehr. Spieler wechseln ihren Arbeitgeber vorzeitig für viele Millionen Euro und beziehen horrende Gehälter. Doch kann ein Verein selbst aus dem Sponsorenetat etc. so einen Transfer wirklich aus eigener Kraft bewerkstelligen? Es wäre bei einem Großteil der Klubs ein unrealistisches Unterfangen. Und in dieser Szenerie treten Hintermänner auf die Bühne, um beim Beispiel des FC Chelsea zu bleiben. Am 1. Juli 2003 kaufte der Russe Roman Abramowitsch, ein Mann, der durch den Rohstoff Öl zum Multimilliardär geworden ist, den FC Chelsea für geschätzte 210 Millionen Euro komplett auf. Doch das war erst der erste Schritt auf dem Weg zu einer großen Wandlung des Londoner Vereins. Im Sommer 2003, also mit dem Aufkauf des Klubs, begann eine beispiellose Verpflichtungswelle von Stars, die zum Teil aus England als auch aus dem Ausland kamen. Es war ein Transfermarathon, bei dem weit über 150 Millionen Euro alleine in die Ablösesummen für die Neuzugänge der Saison 2003 / 2004 flossen. Unter ihnen die Argentinier Hernan Crespo (Inter Mailand, 26.000.000 €), Juan Sebastian Veron (Manchester United, 22.500.000 €), Damien Duff (Blackburn Rovers, 26.500.000 €), Adrian Mutu (FC Parma, 22.750.000 €) und Claude Makeléle (Real Madrid, 20.000.000 €). Aufsehen erregte auch der innerenglische Transfer des damals 18 Jährigen Glen Johnson, der von West Ham United gekommen mehr als 8 Millionen Euro Ablöse kostete. Gleichzeitig gab es voluminöse Abgänge zu verzeichnen. Diverse Spieler verließen den Verein – eine sportliche Kehrtwende um 180°. Vor allem junge Nachwuchsspieler kehrten dem Verein den Rücken und wechselten zum großen Teil (!) innerhalb von England zu anderen Klubs, um dort ihre Chance zu finden. Es lässt sich nur spekulieren, weshalb und wieso, aber eine Vermutung könnte sein, dass sie die Chance sich unter den gegebenen Umständen noch durchzusetzen auf ein Minimum geschrumpft sahen. Eine Neustrukturierung. Und das innerhalb weniger Wochen. Chronologisch also schon für Top-Vereine in Europa nur von einer Hand voll zu realisieren. Das Ziel der Offensive auf dem Markt war ganz klar nachhaltige Wirkung, sprich der Meistertitel und die Champions League (die europäische Königsklasse) erringen. Anhand des Alters der verpflichteten Spieler und ihres damaligen Stellenwertes in der Welt war glas klar, dass es um Erfolg auf kurzfristige Sicht ging. Abramowitsch wollte nicht irgendwelche Talente aus dem Verein behutsam an die erste Mannschaft in der Premier League heranführen. Und die Taktik schien fast aufzugehen, aber eben, horcht, nur fast. Am Ende der Premier League Spielzeit 2003 / 2004 belegte der FC Chelsea mit 79 Punkten den zweiten Platz hinter dem Stadtrivalen Arsenal London. Damit noch nicht genug, Arsenal verlor keines der 38 Punktspiele. Erschwerend kam hinzu, dass mit Jimmy Hasselbaink in der Torschützenliste erst auf Rang 13. der erste Chelsea-Spieler auftauchte. Wieso ich dies erwähne? Weil die Londoner zwar die zweitbeste Offensivabteilung auf dem Rasen stellten, es aber keinen richtigen Torjäger gab.
Im Sommer 2004, ein Jahr lang dauerte das Engagement des Milliardärs zu diesem Zeitpunkt bereits, startete man die nächste Transferoffensive. In ähnlich riesigen Umfang wie den Sommer zuvor. Diesmal standen auf der Wunschliste des Roman Abramowitsch Spieler wie Mateja Kezman (PSV Eindhoven, 7.500.000 €), Paulo Ferreira (FC Porto, 20.000.000 €), Ricardo Carvalho (FC Porto, 30.000.000 €), Arjen Robben (PSV Eindhoven, 18.000.000 €), Torwart Petr Cech (FC State Rennes, 13.000.000 €), Tiago (ZSKA Moskau, 12.000.000 €) und der Megatransfer Didier Drogba (Olympique Marseille, 36.000.000 €). Ferreira und Carvalho kamen von portugiesischen Meister und Champions League Sieger 2004, dem FC Porto. Zwei Portugiesen, auf Grund dessen, dass ein neuer Übungsleiter installiert wurde: José Mourinho. Und dieser kam im Sommer 2004 ebenfalls vom FC Porto und führte seine ehemalige Mannschaft, den FC Porto, zu nationalen und internationalen Titeln, wie z. B. den Triumph in der Königsklasse im Jahr 2004. Er nahm seine Herzensspieler also gleich mit auf die Insel, bekam also viele Freiheiten vom Klubeiniger. Doch nach dem Abdanken seines Vorgängers Claudio Ranieri und weiteren über 150 Millionen Euro Investitionen alleine in neue Spieler, Gehälter herausgerechnet, lastete eine schwere Last auf den Schultern des für einen Trainer jungen Portugiesen.
Doch er stemmte sie mit Bravour und holte in der Saison 2004 / 2005 mit dem FC Chelsea 95 Punkte (!) und wurde souverän Meister vor dem Vorjahreschampion FC Arsenal.
Die Saison wurde allerdings nicht in der Offensive entschieden, sondern in der Defensive, die in 38 Spielen nur sagenhafte 15 Gegentore zuließ, was bis heute Vereinsrekord darstellt. Es war der zweite Meistertitel seit 1955 für die Londoner. Außerdem errang man den FA Community Shield, eine Art Supercup. Dabei spielte der Meister gegen den FA-Cup-Sieger (vergleichbar mit dem DFB-Pokal). Das Marionettenspiel um den schon angesprochenen Ranieri und Mourinho machte deutlich, welch großes Einzugsgebiet der Einfluss von Abramowitsch bereits eingenommen hatte. Nicht nur über die Transfers auf, sondern auch auf die neben dem Feld hatte er seine Hand.
National war das Team nun also konkurrenzfähig und hatte dank der russischen Millionen, diese Modells, mächtiges Medieninteresse zu verzeichnen. Nur international wollte es nicht so Recht auf das Niveau der bestimmenden Klubs in Europa kommen.
Aus diesem Grund wurden weiter unbeschwert Millionen in Spieler wie Essien, der ghanaische Topstar kam aus Lyon und kostete 38.000.000 €, Shaun Wright-Phillips (Manchester City, 31.500.000 €) und Asier del Horno (Athletik Bilbao, 12.000.000 €) gesteckt. Ein überteuerter Veron wurde in der Zwischenzeit herumgereicht, damit er nicht auf der Gehaltsliste stand, denn sportlich spielte er keine Rolle mehr.
Wieder wurde man Meister, diesmal mit 91 Punkten und 22 Gegentoren. Die Saison 2005 / 2006 schien also erfüllt, oder nicht?
Nicht ganz, im internationalen Geschäft blieb nämlich alles beim Alten: Kein Champions League Triumph für den FC Chelsea.
Auch für die Saison 2006 / 2007 waren wieder Millionentransfer fixiert worden. Nur Michael Ballack kam von den namhaften Spielern für lau in die englische Hauptstadt, da sein Vertrag bei den Münchnern im Sommer 2006 (also nach der WM im eigenen Land) auslief. Der Transfer vom ukrainischen Superstar des AC Mailand fiel da schon üppiger aus. 46.000.000 € lies sich Abramowitsch den Mann, der in Kiew des Fußballspiel gelernt hat kosten. Bis heute die höchste Summe, die der Russe für einen Spieler freigegeben hat. Es war freilich der Anfang des sportlichen Niedergangs, wenn man die Investitionen in Relation mit dem Ertrag setzt. Denn attraktiven Fußball gab es weiterhin – ohne Frage. Ein Favorit war geboren, nur gelang der große Wurf in der Saison 2006 / 2007 nicht mehr. Jedoch konnte man sich den Vizetitel anheften und auch wiederum die sattelfesteste Abwehr bescheinigen lassen. Doch die sportliche Situation stand im krassen Missverhältnis zu Abramowitschs Vorstellungen. Wieder gab es keinen internationalen Titel und sogar national gab es nichts mehr zu feiern. Und diverse Gazetten glaubten zu wissen, dass der Öl-Milliardär das Interesse an seinem Spielzeug verloren und sogar einen Ausstieg aus dem Geschäft erwogen habe. Ein Abzug des Kapitals hätte für den Londoner Klub den finanziellen Kollaps bedeutet. Denn die nackten Zahlen, mit denen operiert wurde, und auch heute noch operiert wird, sind fatal. Jahr für Jahr fährt häuft man ein saftiges Minus an, welches allerdings durch Abramowitsch kompensiert wird. Beim Kauf des Klubs im Jahr 2003 übernahm er z. B. sämtliche Altlasten, komplett. Die Investitionen des Vereins wurden im Jahr 2007 rapide zurückgefahren. Auf Geheiß des Geldgebers halbierte sich die Summe, die man in den Jahren zuvor in Spieler investiert hatte. Nur noch ca. 60.000.000 € Euro ließ der Russe für die Verpflichtung neuer Spieler ausschütten. Was diesmal noch dazu kam war, dass man Arjen Robben (den man schon damals getrost also Star bezeichnen konnte) für 36 Millionen Euro an Real Madrid abgab. Auch Glen Johnson, Lassana Diarra und z. B. Khalid Boulahrouz verließen den Verein. Wobei man den Niederländer Boulahrouz nur auf Leihbasis zum FC Sevilla in die Premiera Division abgeben konnte. Zu den prägnanten Abgängen gesellten sich diverse Jungprofis im Alter zwischen 17 und 21 Jahren hinzu, die entweder ausgeliehen oder komplett und endgültig abgegeben wurden.
Inzwischen kristallisierte sich allerdings heraus, dass Abramowitsch nicht mehr der Hai im Fischbecken war. Auch Manchester United wurde von Investoren, allerdings aus den USA, übernommen. Allerdings ließ man der sportlichen Führung dort, so macht es auf mich jedenfalls den Eindruck, freiere Hand. Über Jahre hinweg butterte der FC Chelsea über seinen Oligarchien Millionen an Euro für Spielertransfers in den Verein und trotzdem gab es nie den großen Wurf – international gesehen. Schießt Geld alleine also tatsächlich keine Tore? Das wäre die falsche Einschätzung, denn es durchaus so, dass mit dem entsprechenden finanziellem Einsatz eine gewisse Konstanz Einzug halten kann. Das bewies der FC Chelsea im abgelaufenen Sommer des Jahres 2008 wiederholt, als man die englische Vize-Meisterschaft (feiern möchte ich nicht sagen) verbuchen konnte – erneut. Nur war die See dieses Mal verdammt unruhig, denn bereits im September des Jahres 2007 musste der (ohne Zweifel mit viel Selbstbewusstsein ausgestattete) Trainer José Mourinho seinen Platz räumen bzw. wurde vom Dienst freigestellt. Es bestanden unüberwindbare Differenzen mit dem Mann, der die Zügel in der Hand hält, der nur die (Geld-) Infusion abziehen muss, damit beim FC Chelsea nur noch wenige Bälle rollen. Der Portugiese verschwand von der großen Londoner Bühne. Er war ein Mann der großen Auftritte, der großen Worte. Ausgestattet mit einem überdimensionalen Ego – er wurde durch einen stillen Zeitgenossen ersetzt. Avraham Grant, Israeli, besetzte erst seit Sommer 2007 den Posten des sportlichen Leiters. Zuvor stand er beim FC Portsmouth unter Vertrag. Erstaunlich: Der FC Chelsea zog zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte ins Champions League Finale ein. In Moskau traf man auf den englischen Meister Manchester United, gegen die Mannschaft, gegen die Grant bei seiner Trainer-Premiere Im September 2007 eine 0:2-Schlappe hinnehmen musste. Jedoch konnte der die Qualität des Teams zum Besseren wenden und so mauserte sich Chelsea zu einem ernsthaften Konkurrenten für „ManU“. Die englische Meisterschaft entschied sich erst am letzten Spieltag, dem 38. Punktgleich gingen beide Mannschaften in den letzten Spieltag, jedoch gewann Manchester sein Spiel gegen Wigan Ahtletic 2:0, während Chelsea gegen die Bolton Wanderers „nur“ zu einem 1:1 kam. Damit war der Alte der auch gleichzeitig der neue Meister. Einen Monat nach der Entscheidung in der Meisterschaft und drei Tage nach dem Champions League Finale von Moskau, am 11. Juni 2008, publiziert der Verein, dass ab der neuen Saison Luiz Felipe Scolari das Chef-Traineramt übernehmen wird. Die Gewissheit, dass Grant irgendwie nicht zu diesem sehr selbstbewussten Image des FC Chelsea passte hatte sich gleichzeitig mit bestätigt. Ein Mourinho, der wollte sich nicht in die Karten schauen lassen, sondern freie Hand über das System und das zu Stande kommen von Resultaten haben. Grant versuchte loyal gegenüber Abramowitsch zu sein, auf die Wünsche nach dem optisch ansprechenden Spiel einzugehen. Seit dem Juli 2008 ist auch der Israeli, der vor seinem Engagement beim FC Chelsea im UEFA-Raum ein gänzlich Unbekannter war, Gesc

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