Donnerstag, 4. September 2008

Zahlen lügen nicht.

Der 1.FC Union zieht in seinen ersten drei „Heimspielen“ im Jahn-Sportpark zu wenig Zuschauer an. Die kalkulierte Zahl wurde bei den bisherigen Auftritten weit verfehlt.

Also der geneigte Beobachter am letzten Samstag seinen Blick während des Heimspiels gegen Wuppertal durch den Jahn-Sportpark schweifen ließ zuckte er vermutlich leicht zusammen oder wurde nachdenklich. Denn was sich da auf den Rängen versammelte sollte wieder nicht für mehr als 6.000 Zuschauer reichen. 5.455 Zuschauer fanden sich bei bestem Wetter und günstigen sportlichen Vorzeichen zum Spiel des 1.FC Union gegen de3n Wuppertaler SV im Prenzlauerberg ein – deutlich zu wenig für den Schnitt, mit dem man kalkuliert. Und genau dort muss man auch zu nächst ansetzen: Bei der Kalkulation, die vor der Saison fixiert wurde und auch den Etat wesentlich beeinflusst. Seit der Saison 2005 / 2006 stieg der Zuschauerschnitt bei Heimspielen kontinuierlich an. Waren in der katastrophalen Saison noch 4.400 Fans (einschl. Gäste) im Stadion, so konnte man im ersten (und bis heute einzigen) Jahr in der Viertklassigkeit einen immensen Zuschaueranstieg verzeichnen. Am Ende standen 5.903 Zuschauer zu Papier, die im Schnitt die Heimspiele des 1.FC Union in Berlin-Köpenick bevölkerten. Darunter solch Leuchttürme, wie die 14.020 Zuschauer, die im Derby gegen den BFC einen neuen unangefochtenen NOFV Oberliga-Rekord aufstellten.
Nach dem man den direkten Wideraufstieg bewerkstelligen konnte, der vor Ultimo dann sogar recht deutlich ausfiel, stieg der Wert in der Saison 2006 / 2007 auf beeindruckende 6.900 Zuschauer im Durchschnitt. Im Heimspiel gegen den FC St. Pauli am 17. März 2007 konnte zu dem mit 16.415 Zuschauern der größte Andrang zu einem Meisterschaftsspiel seit 1985 verzeichnet werden. Damals hieß der Gegner allerdings noch FC Stahl Brandenburg.
Und dieser Trend wurde in der Saison 2007 / 2008, der gerade abgelaufenen, also weiter fortgesetzt. Über 7.000 Zuschauer besuchten die Heimspiele in dieser Saison und sorgten dafür, dass auch im dritten Jahr die Zahlen weiter nach oben wachsen. Gleichzeitig wachsen aber auch die Erwartungen und in der neu gegründeten eingleisigen dritten Liga, so versprach man sich, würde die Attraktivität der Gegner weiter steigen. Die letzten drei Punktspiele in der Regionalliga 2007 / 2008 zogen alle samt über 11.000 Besucher an und den goldenen Abschluss bildete das zugleich letzte Meisterschaftsspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen, in dem es noch mal um alles ging, genauer gesagt um die theoretische Aufstiegschance. Es strömten über 14.200 Menschen zu dieser Ansetzung und sorgten für die zwei höchste Zuschauerzahl in einem Heimspiel in den letzten 3 Jahren. In der Summe standen also die schon angesprochenen über 7.000 Zuschauer pro Heimspiel und damit verbunden auch die Hoffnung den Aufwärtstrend fortzusetzen. Nun muss schon mal eingeschoben werden, dass die 5.100 z. Z., die gegen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart gezählt wurden, eine ordentliche Hausnummer waren, mit der man absolut zufrieden sein kann. Vor allem vor dem Hintergrund, dass noch vor einem Jahr bei der Regenschlacht gegen Dortmund II 3.700 und gegen Werder Bremen II gar nur 3.400 Zuschauer sich eingefunden haben. Hier war also ein klarer Trend hin zum Positiven auszumachen.
Viele verbanden den Jahn-Sportpark jedoch mit der Hoffnung vielleicht mehr Berliner und Touristen auf den 1.FC Union aufmerksam zu machen. Selbstverständlich sollte sich das auch in den Besucherzahlen widerspiegeln. Das Stadion liegt zentraler als das an der Alten Försterei, nämlich nicht unweit vom Alexanderplatz entfernt, und genießt damit einen Standortvorteil, zumindest bei den Spontanbesuchern, die sich nicht extra auf den Weg nach Köpenick machen wollen, sollte man meinen. Die aktuelle Situation suggeriert das Gegenteil und das Spiel gegen Wuppertal war die beste Veranschaulichung. Noch im April kamen zum Punktspiel gegen Wuppertal über 7.500 Menschen ins Stadion an der Alten Försterei. Die sportliche Ausgangsposition ist fast parallel zur aktuellen, nur das die Saison 2008 / 2009 sich noch im Anfangsstadium befindet.
Vor den Spielen gegen Burghausen und Wuppertal weilte das Maskottchen des 1.FC Union, Ritter Keule, an der Schönhauser Allee und rührte die Werbetrommel für die Spiele der Köpenicker im Jahn-Sportpark. Passend dazu lautet der Slogan der Kampagne „Union kommt – exklusiv in den Prenzlauerberg.“ Dazu prangerte am Rad des Ritters ein Aufkleber mit dem Schriftzug „Nur für kurze Zeit.“ Dies dürfte sich nun umschreiben lassen, denn durch den nötigen Einbau des Daches im Stadion an der Alten Försterei wird man nicht, wie erhofft, bereits in ca. 1 Monat Heimspiele in Köpenick austragen können. Bis November wird man mit dem bei manch Alteingesessnen Unioner unbeliebten Stadion in der Nähe vom „Alex“ vorlieb nehmen müssen. Der Knackpunkt: Die Fans, die aus Prinzip nicht die „Heimspiele“ im Jahn-Sportpark besuchen. Sie bleiben den Spielen fern, weil sie eine tiefe Abneigung gegen das Stadion verspüren, wohl nicht zuletzt, weil die Angst vorherrscht, dass die Alte Försterei dem Verein doch noch entrissen werden könnte, wenn der Senat den Eindruck bekommt, dass der Mehrheit der Unioner das Ausweichquartier doch sympathisch ist. Hinzu kommt dann noch der Fakt, dass nicht all zu selten auch der BFC Dynamo die Spielstätte nutzt. Es kursiert eine Zahl im Raum, die natürlich eine Schätzung ist, aber erahnen lässt, wie viele Anhänger lieber zu Hause bleiben. 500 Fans, so schätzt man, reisen aus Prinzip nicht in den Prenzlauerberg, sondern wollen abwarten, bis der Umbau bzw. die Sanierung des Stadions in Köpenick abgeschlossen ist. Hier wird man wohl so viel Überzeugungsarbeit leisten können, wie man möchte, im Endeffekt werden sich wohl die Wenigsten umstimmen lassen. Sicher, Spiele wie das anstehende gegen Eintracht Braunschweig werden einen Wegweiser darstellen. Sie bedeuten einen Fingerzeig, was die möglichen Fanmassen angeht. Im März dieses Jahres besuchten knapp 10.000 Zuschauer das Kräftemessen in Köpenick – ein starker Wert, den es zu bestätigen gilt. Nicht mehr und nicht weniger.
Meine Hoffnung liegt, und das betone ich ganz offen, auf der Sanierung des Stadions an der Alten Försterei. Denn nicht selten war es so, dass durch Regenfälle und die daraus resultierenden durchgeweichten Ränge potentielle Zuschauer abschreckten. Zu dem gab es das Dach über dem Kopf nicht – viele Aspekte spielen ihre Rolle in diesem Puzzle. Keinen Hehl kann aber auch ich aus meinem ein wenig vorhandenen Wehmut machen. Denn ich besuche jedes Heimspiel des 1.FC Union zwar erst seit der Rückrunde 2003 / 2004, aber seit dem hat man irgendwie verstanden, was dieses Stadion so einzigartig machte. Dieser Charme, den man nicht erklären kann, man muss ihn erleben. Nicht nur einmal, sondern über viele Spiele hinweg. Es wird wieder dafür sorgen, dass die Ränge wieder voller werden, das Stadion an der Alten Försterei.

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