Mittwoch, 2. Juli 2008

Meinung: Deutliche (!) 0:1 Niederlage gegen die favorisierten Spanier.

Im Endspiel um die Fußball Europameisterschaft hat die deutsche Nationalmannschaft um Trainer Joachim Löw gegen Spanien mit 0:1 verloren und ist somit „nur“ Vize-Europameister. Während die Spanier eine über 40 Jahre lange Durststrecke beendet haben und nach schier unendlichen Jahren wieder einen relevanten internationalen Titel vorweisen können. Die Elf um ihren Kapitän Michael Ballack bekam im Final ihre Grenzen deutlich aufgezeigt und musste anerkennen, dass die Iberer ihnen um Längen überlegen waren. Dies spiegelte sich im gesamten Spiel wieder. Mit Ausnahme der ersten 10 Minuten, in denen der WM Dritte von 2006 noch ordentlich mitgehalten hatte, dann aber alsbald den Anschluss verlor und dem sicheren und schnellen Kombinationsspiel der Spanier nur noch wenig entgegen zusetzten hatte. Bereits in der 14. Minute konnte man sich im Deutschen Lager bei Jens Lehmann bedanken, der einen unglücklich abgefälschten Ball von Mertesacker um den Pfosten lenken konnte. Es herrschte eine merkwürdige Lähmung im deutschen Spiel generell. Nicht nur das Angriffsspiel fand praktisch nicht statt, auch im Spielaufbau lief nicht viel zusammen. Die Mannschaft stieß gegen diesen Gegner, der weltklasse Niveau besaß und in seinen Reihen mit Namen wie Puyol, Xavi, Fabrégas, Torres und Sergio Ramos echte Weltklassespieler aufzuweisen hat, an ihre eigenen spielerischen Grenzen und machte den Eindruck als ob sie selbst nicht so recht daran glauben mochte diesen Kontrahenten niederringen zu können. Mit spielerischen Mitteln war jedenfalls kein Blumentopf zu gewinnen. In der 33. Minute war es dann soweit Phillip Lahm schien das hohe Anspiel auf Fernando Torres komplett unterschätzt zu haben, denn bevor er sich versah hatte Torres seinen Körper zwischen Ball und Gegenspieler geschoben, antizipierte schnell, dass Lehmann sämtliches Vertrauen in Lahm verloren hatte und aus seinem Tor gesprintet war, und hob den Ball gekonnt über den herausstürzenden Keeper ins Tor der deutschen Mannschaft. Mit dem Tor schienen alle Spanier noch einen Tick sicherer zu werden. Denn von nun an kontrollierten sie das Geschehen auf dem Rasen im Wiener Ernst-Happel-Stadion vor ca. 53.000 Zuschauern.
Auch nach dem Seitenwechsel möchte sich das Bild nicht ändern. Einzig Bastian Schweinsteiger und der später eingewechselte Jansen konnten sich aus der grauen Masse abheben. Dem Zutun von Schweinsteiger war es auch zu verdanken, dass Michael Ballack wenigstens eine Chance in der zweiten Halbzeit bekam und sie knapp vergab. Der Ball landete aus knapp 20 Metern neben dem von Ballack aus gesehenen linken Pfosten. Nun waren es die Spanier, die den Ball zirkulieren ließen und ihren Gegner ein wenig wie am Ring durch die Manege führten. Die Einwechslungen von Kurany und Gomez brachten erwartungsgemäß nichts, sondern schienen die Mannschaft noch zusätzlich zu verunsichern. Der eingebürgerte Spanier Marco Senna hatte in der 82. Minute den finalen K.O. auf dem Fuß. Brachte den Ball jedoch volley nicht im Tor unter. Vorher war das Spielgerät genüsslich per Kopf auf ihn zurückgelegt worden. Allerdings in einer Höhe, die es verlangte diesen Ball direkt zu nehmen. Kurz vor Ultimo war dann der Kuchen, wie man so schön sagt, gegessen. Die deutsche Nationalelf hatte sich inzwischen langsam in ihr Schicksal gefügt. Kevin Kurany kassierte in der 88. Minute bei einem unbeholfenen Versuch sich irgendwie gegen die spanische Hintermannschaft durchzusetzen noch mal die gelbe Karte – es blieb eine Randnotiz. Rosettis Pfeife erklang, schallte über den Rasen und die gesamte Ersatzbank der Iberer stürmte das saftige Grün. Sie hatten es vollbracht und nach 44 Jahren haben sie wieder einen großen Titel mit nach Madrid gebracht.
Auf Seiten der Deutschen herrschte gedämpfter Frust. Zu klar war die spielerische und mentale Überlegenheit der Spanier, zu krass stand es im Verhältnis zum Leistungsvermögen der Mannen um Jogi Löw. Eine Leistung wie die gegen die Portugiesen, das wäre wohl der Rätsels Lösung gewesen. Jedoch, solche Abende kommen äußerst selten vor. Und trotz alle dem: Danke für eine beeindruckende EM! Danke dafür, dass in den Straße wieder Schwarz-Rot –Gold zu sehen war, was einen wehmütig an die WM 2006 im eigenen Land erinnerte.
Bis in 2 Jahren, dann heißt es wieder: Vorhang auf, für die Turniermannschaft schlechthin –Deutschland. Es wird ein Genuss sein zu beobachten wie weit, die dann 25 Jährigen Podolski und Schweinsteiger sein werden. Wie sich ihre Entwicklung selbst entwickelt. Viele Fragen, aber die Antworten wird man wohl schon in der WM-Qualifikation erhalten.

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