Dienstag, 22. April 2008

Verwaister Gästeblock

Es war die Topmeldung (am 19. April) schlechthin, die vielen die Sprache verschlug bzw. die Schrippe im Halse stecken bleiben ließ. Der 1.FC Union bekam es schriftlich untersagt einen Kartenverkauf an Dresdner für das Heimspiel am 8. Mail, eben gegen Dynamo Dresden, anzubieten. Initiator der Aktion: Die Berliner Polizei. Ihr liegen Erkenntnisse vor, die besagen, dass es aus der Dresdner Fanszene Anzeichen gibt, dass mindestens 200 Personen anreisen werden, die Ausschreitungen provozieren wollen. Anreise, um vorsätzlich Gewalt herauf zu beschwören? Sicherlich nichts Neues, vor allem in Verbindung mit solchen s. g. Sicherheitsspielen. Dennoch wäre dieser Vorgang bundesweit einzigartig. Noch vor einem Jahr hieß die Ansetzung ebenfalls Union vs. Dresden – sie wurde selbstverständlich ausgespielt. Alles verlief ruhig.
Allerdings spielt noch ein Faktor eine nicht geringe Rolle. Die immensen Kosten, die mit so einem Spiel anfallen. Hier ist vor allem der Aufwand des Personals zu nennen. Beim schon angesprochnen letzten Aufeinandertreffen der beiden Vereine in Berlin waren über 1.200 Beamte im Einsatz. Ist es aber der wahre, richtige Weg die Gästefans vollkommen von den Spielern ihrer Teams auszuschließen? Ist es nicht viel mehr Aktionismus von Seiten des Staates? Ist es nicht viel mehr die Atmosphäre, die bei solchen Vorgaben auf der Strecke bleibt? Eines ist jedoch Fakt. Diese Vorgehensweise wird in Deutschland wohl nicht durchsetzbar sein. Anzeichen dafür ist die Einmischung des DFB, der sich nun in die Angelegenheit einschaltete. Die Funktionäre wollen das ausschließen der Gäste aus Sachsen so nicht hinnehmen und drängen auf eine Alternative. Ehrhart Körting, seines Zeichens Innensenator von Berlin, sprach sogar davon im Einzelfall Spiele abzusagen. Eine Vision, die so hoffen alle Beteiligten nicht eintreten wird. Am morgigen Mittwoch werden sich noch mal alle Beteiligten an einen runden Tisch setzten und Situation in einem außerordentlichen Gespräche ausloten.
Man registriert bereits jetzt: Der Fokus liegt nicht mehr alleine auf dem Spiel 1.FC Union gegen Dresden, sondern verlagert sich still und leise auf den gesamten Fußball. Die aktuelle Ansetzung hat eine Musterbedeutung. In wie weit kann man „Gewalt suchende“ Personen vom Stadion fern halten? Es wurde in der Vergangenheit viel probiert. Z. B. wurde ein begrenztest Kontingent an Karten zur Verfügung gestellt. Einen unübersehbaren Nachteil besitzt das allg. Verbot von Karten für Dresdner. Es besteht die Möglichkeit, dass diese über Schleichwege versuchen an Karten zu kommen und es wird die gesamte Masse für die Vergehen einer vergleichsweise kleinen Gruppe vorverurteilt. Es ist ein Drahtseilakt, den die Polizei aufnimmt. Man kann nur beten, dass das Seil nicht zu dünn ist. Die nächsten Tage werden sicher für alle Aufklärung bringen.

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