Montag, 27. Oktober 2008

Finale Furios – Union dreht das Spitzenspiel gegen Paderborn in Unterzahl

3:2-Sieg – Mit einem Mann weniger die Tabellenführung errungen.


Sie standen schon vorher, sie alle.Die Ränge, auch die Gegentribühne, sie alle verneigten sich vor einer Mannschaft, die über eine halbe Stunde in Unterzahl agieren musste. Das Spitzenspiel der 3. Liga zwischen dem Tabellenzweiten, dem 1. FC Union und dem Spitzenreiter, SC Paderborn. Schon vor Anpfiff deutete sich an, dass die Ränge in diesem Match besser ausgefüllt sein würden. Offiziell werden es 7.500 Zuschauer gewesen sein, die das Spiel verfolgten. Rein optisch, das möchte ich noch nachschieben, waren es ca. 8.000. Aber das nur am Rande. Denn der Stimmung tat das keinen Abbruch. Das Spiel der Unioner in diesem Gipfeltreffen lässt sich lässig und vor allem schnell erzählen. Trainer Neuhaus sprach nach dem Spiel davon, dass die Mannschaft das Spiel „vom Kopf her gar nicht richtig angenommen hat“. Er referierte darüber, dass seine Schützlinge in den Zweikämpfen „immer zweiter Sieger“ waren, dass die so genannten zweiten Bälle fast immer bei den Gästen aus Paderborn landeten. Zwar hatte Benyamina vor dem führen 0:1 ebenfalls eine Chance, aber diese war eine sehr rar gestreute. Denn von nun an spielte der Gast souverän seinen Stiefel runter. Man könnte das so artikulieren: Im Stile einer Spitzenmannschaft. Lindemann hatte nach ca. 23 Minuten noch eine gute Szene, in der Jan Glinker noch mal nachfassen musste. Aber für den Rest der ersten Halbzeit überließ man Union die Aufgabe zu agieren und schaute sich das aus einer sicheren Defensive an. So kam es, dass Union bis zum Strafraum ab und zu sogar ganz ordentlich kombinierte, woraus auch Schusschancen resultierten. Diese stellten aber alle samt nicht die großen Gefahren für den Kasten des Gäste-Torwarts Jensen dar.
Für die zweite Halbzeit nahm Uwe Neuhaus einen immens wichtigen Wechsel vor.Yussuf Dogan musste seinen Platz räumen für Torsten Mattuschka. Und dieser brachte auch sofort mehr Schwung ins Spiel. Auch hier bedarf es einer kleinen Klarstellung. Es war nicht überschwänglich viel Schwung, aber eine Steigerung im Vergleich zur ersten Halbzeit. Union erarbeitete sich jetzt Tormöglichkeiten. Blieb allerdings weiterhin recht glücklos. In der 61. Minute sah dann Bemben, der in den Strafrum geschickt wurde, die Ampelkarte, da er statt des Balls die Beine seines Gegenspielers traf. Diese Entscheidung war korrekt, was allerdings nicht darüber hinwegtäuschen konnte wie unsicher sich der Unparteiische in manchen Situationen präsentierte. So ließ er den darauf folgenden Freistoß unter gellendem Pfeifkonzert vor zitternden Knien gleich noch mal ausführen, obwohl er regelkonform ausgeführt wurde. Zu allem Überfluss zeigte sich Paderborn zum zweiten Mal an diesem Nachmittag unerhört kaltschnäuzig, als sie in der 66. Minute das scheinbar vor entscheidende 0:2 erzielten, womit das Match gelaufen schien. In der 74. Minute dann ein lichter Moment des Kapitäns Marco Gebhardt, der Benyamina auf die Reise geschickt hat und dieser macht es unnachahmlich. Lässt einen Abwehrspieler ganz lässig aussteigen, dieser war auf einmal nur noch in der Zuschauerrolle, und dann ließ er diesem optischen Leckerbissen den nächsten folgen. Nerven wie Stahl, frei vor Jensen, zimmert er den Ball halbhoch in den Kasten. Der Anschlusstreffer in Unterzahl und Union wollte jetzt mehr! Das riss Löcher, da ja mit dem des Platzes verwiesenen Bemben ein Außenverteidiger fehlte. In er 76. Minute vergaben die Paderborner die klarste Chance zum 3:1. Was jetzt passierte war ein einziger Sturmlauf der Unioner. Der bis zur 74. Minute für den verletzten Ruprecht ebenfalls sehr unsichere Menz (19 Jahre) holte jetzt gegen zwei Gegenspieler einen Freistoß heraus. Diesen brachte der in dieser Phase bärenstarke Mattuschka auf en zweiten Pfosten, wo Nico Patschinski goldrichtig stand und nur den Kopf hinhielt und den Ball zum nicht für möglich gehaltenen Augleich ins Tor nickte. Die Ränge explodierten nun verständlicher Weise. Ebenso der Schütze.
Schon die Laufbereitschaft signalisierte nun, dass der Gastgeber hier die Sensation – so kann man es ruhig um schreiben – witterte.
Was soll man groß den Satz ausschmücken – es passierte tatsächlich!Ein Einwurf von Kohlmann wurde von Gebhardt zurück auf den Außenverteidiger gelegt, dieser brachte einen hohen Ball in Richtung Jensen und Menz wuchtete seinen Körper in die Luft, kam wohl nicht ganz an den Ball, zog aber damit zwei Verteidiger auf sich, die auf einmal völlig orientierungslos waren und somit war der durchstartende Karin Benyamina „durch“ wie man so schön sagt. Alleine lief er auf Jensen zu und ließ dem Gästekeeper nicht den leisesten Hauch einer Abwehrchance. Überlegt schob er den Ball in die lange Ecke und schien es selbst nicht ganz zu realisieren.
Danach brachen „alle Dämme“ und Union drehte auf der Zielgeraden ein Spiel, was schon verloren war in Unterzahl! Der Präsident persönlich war zur Trainerbank gestürmt, um der Mannschaft und dem Trainerstab zu gratulieren. Auch er wohl noch im Bilde der sicheren Niederlage vor den magischen 13 Minuten, die das Rund in einen kleinen Hexenkessel verwandelten.
Doch in der PK nach dem Spiel gab es dann wieder den bodenständigen Neuhaus zu hören. Und das ist gut so, denn er mahnt all die, die noch im Siegesrausch verweilten, denn schon am Dienstag, also morgen steht ja das Meisterschaftsspiel in Stuttgart, gegen den mit 4 Punkten und keinem einzigen Sieg, Tabellenletzten auf dem Programm. „Wir sind vom Jäger zum Gejagten geworden und haben am Dienstag ein wahnsinnig schweres Spiel.(…) da liegt der Teufel im Detail“, so der Übungsleiter. Und wie Recht er doch damit hat, denn sind es gerade die Ensemble, die scheinbar so einfach zu knacken sind, die sich dann als Stolperstein erweisen. Zumal nach so einer turbulenten Begegnung wie die vom Samstag. Es gelte sich „körperlich zu erholen, von der Wahnsinns Arbeit, die wir geleistet haben“, gab der Coach zu bedenken. Man möchte gerade von der Psyche her fit für dieses Spiel sein.
Gegen Stuttgart werden Trainer Neuhaus Personalsorgen plagen, denn Michael Bemben wird nun das obligatorische eine Spiele gesperrt und Ruprecht wohl noch nicht einsatzfähig sein. Das heißt, dass der junge Menz mit hoher Wahrscheinlichkeit zu seinem zweiten Einsatz in der Startelf von Anfang an in der 3. Liga kommen wird. In der letzten Saison stand Menz zwei Mal von Anfang an in der damals noch Regionalliga Nord in der Anfangsformation.
Unioner, zeigt uns, dass ihr die Serie ausbauen könnt!

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