Der DFB-Pokal sorgt dafür, dass kleine Vereine zumindest für einen Tag in den Fokus der (Fußball-) Öffentlichkeit rutschen.
Es sind interessanter Weise nicht die Vereine, die im täglichen Geschäft Rampenlicht stehen, sondern in diesem Jahr Teams wie Fichte Bielefeld und FC Wegberg Beek, die im Mittelpunkt stehen. Sie bekommen die Chance die „Großen“ zu ärgern – zumindest für 90 Minuten, doch dies ist Motivation genug für viele der Verbands – und Bezirksligisten, die mal in die schwindel erregenden Höhen der Fußballsphären schnuppern dürfen. Genug Beispiele dafür, dass die Sensationen möglich sind, ja sogar sehr real, die gibt es zu genüge. Zum Beispiel den FK Pirmasens, der vor einem Jahr den SV Werder Bremen mit 5:3 nach Elfmeterschießen in die Schranken weisen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war man gerade in die Regionalliga aufgestiegen und es gelang also den Champions League Teilnehmer in Runde 1 aus dem Pokal zu werfen. Es sind diese Szenen, die Spieler antreiben, selbst wenn es schier unmöglich scheint diese Spiele anzunehmen, den Kampf anzunehmen. Oft ist die Ausgangsposition vor den Spielen glasklar und gerade daraus ziehen die Spiele ihre Brisanz. Hinzu kommen diverse Mannschaften, die die Vergangenheit des Fußballs geprägt haben, die inzwischen in den unteren Spielklassen ihre Schuhe schnüren und über den DFB-Pokal die Chance für das internationale Geschäft suchen. Denn, wer glaubt, dass Drittligisten in den Ansetzungen gegen Erstligisten überhaupt keine Möglichkeiten hätten, der sieht sich des Öfteren getäuscht. Jeder Drittligist trainiert inzwischen wie ein Erstligist bzw. im selben Umfang. Mit vergleichsweise minimalem finanziellem Aufwand schaffen es diese Teams Mannschaften wie Bremen oder auch Hertha BSC aus dem Wettbewerb zu befördern. Ein prominentes Beispiel dafür bietet der FC St. Pauli. In der Pokal-Saison 2005 / 2006 stieß man bis ins Halbfinale vor und erstürmte auf dem Weg dahin die Festungen Burghausen, VfL Bochum (1. Bundesliga), Hertha BSC (1. Bundesliga) und Werder Bremen (1. Bundesliga). Um diese Erfolge mal in Relation zu setzten: Der FC St. Pauli spielte drittklassig und kaschierte diesen unübersehbaren Nachteil mit Glück und bedingungslosem Kampf. Gerade das Spiel gegen die von vielen schon ins Halbfinale gehobenen Bremer beeindruckte und sorgte für ein Medienecho, was man so nie erwartet hätte. Bei schwierigsten Bedingungen in der Heimspielstätte der Hamburger, am Millerntor, im Februar 2006 (Schneedecke) schlugen sie die Bremer verdient mit 3:1 und sorgten für lange Gesichter bei der Führungsetage der Bremer. Der Grund dafür ist freilich nicht nur sportlicher Natur. Für jede Runde, die ein Verein erreicht setzt es eine gewisse Prämie. Was ich damit sagen möchte ist, dass in den Etatplanungen das Erreichen bestimmter Runden eingeplant ist. Mit den Einnahmen wurde also fest gerechnet und ab und zu kann sogar der Fall eintreten, dass die Finanzen schon in den Kader investierten wurden und diese Investitionen nicht auf die geplante Art und Weise kompensiert werden können.
Für die Underdogs hingegen bedeutet jede erreichte Runde einen warmen Geldregen und sportliche Anerkennung. So wie es damals für den FC St. Pauli galt. In der abgelaufenen Saison kam dem FC Carl Zeiss Jena diese Anerkennung zu gute. Die Thüringer erreichten trotz sportlicher Talfahrt in der zweiten Bundesliga bravorös das Halbfinale im Wettbewerb. Sie eliminierten auf ihrem steinigen Weg dorthin die Bundesligisten 1.FC Nürnberg, Arminia Bielefeld und den zu diesem Zeitpunkt amtierenden deutschen Meister VfB Stuttgart.
Spiele zwischen Erst-, zweit- und Drittligisten, die früher weitaus weniger offen waren machen den DFB-Pokal zusehends attraktiver. Denn, sind wir mal ehrlich, gerade die „Kleinen“, die die „Großen“ entblößen, die sind uns sympathisch. Denn die Spieler, die bei diesen Vereinen spielen scheinen weniger abgehoben zu sein und ein Ego in erträglichem Ausmaß zu besitzen. Mit ihnen kann man sich auch als Fan / Anhänger eines größeren / einflussreicherem Vereins besser identifizieren.
Bekräftigt wird diese Aussage noch dadurch, dass die Spieler der Amateur Vereine (ab 4. Liga) sich oft zum Feiern in die Kurve der Fans des Gegners feiern niederlassen. Sie genießen diesen Moment, unabhängig vom Ergebnis. Hier steht der Spaß im Vordergrund, aber auch der oft zitierte olympische Gedanke: Dabei sein ist alles. Auch dies können Indikatoren dafür sein, wieso diesen Spieler oft so viele Sympathien zu kommen.
Die erste Runde im DFB-Pokal, Anlass genug für die ARD, die die Übertragungsrechte besitzt, bewegte Bilder der Landespokalfinals herauszupicken, die die Freizeitkicker bei ihren Siegen in Jubelknollen zeigen. U. a. diese Bilder sind es, die den DFB-Pokal zu so einem beliebten Wettbewerb machen. Jedes Jahr aufs Neue suchen die Freizeit- und unterklassigen Vereine die Chance ein kleines Stück Geschichte zu schreiben. Und eins, das kann man immer erwarten: Bis an die Haarspitzen sind diese Männer motiviert. Sie wollen sich auf großer Bühne präsentieren und für junge Spieler ist es eine Brautschau. Sie zeigen sich den Scouts und der breiten Öffentlichkeit, um ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.
So z. B. erging es Marian Unger im Sommer 2005 mit dem Oberligisten MSV Neuruppin. Der damals 21 Jährige Torhüter spielte mit seinem Verein in Runde 1 gegen den FC Bayern München – und viel nicht nur den Zuschauern auf. Auch der damalige Bayern-Scout Wolfgang Dremmler nahm ihn genauer unter die Lupe und befand seine Leistungen für so überdurchschnittlich, dass man ihn zum Probetraining einladen wird. Ein Probetraining beim deutschen Rekordmeister für einen blutjungen Keeper aus der brandenburgischen Steppe, der sich nicht nur Im Pokal gegen Bayern (trotz der 0:4-Niederlage), sondern auch in der Meisterschaft durch die tolle Paraden und feinstes Stellungsspiel auszeichnete. Jedoch gab seine Vorstellung im Pokal den Ausschlag für sein Vorspielen an der Säbener Straße, beim FC Bayern.
Auch in diesem Jahr werden junge Spieler wieder ihre Chance nutzen und ihrem Verein schnell zu Glanz verhelfen wollen.
Hoffen wir auf einen spannende erste Hauptrunde und auf die ein oder andere Überraschung.
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